Festivals sind mehr als Musik – sie sind soziale Räume, in denen Gemeinschaft entsteht. Umso wichtiger ist die Frage: Wer kann sich die Teilhabe an diesen Räumen überhaupt leisten – ökonomisch, sozial, kulturell?
In einem Interview, das der Verlag Der Tagesspiegel kürzlich mit mir führte, ging es unter anderem auch um die Beobachtung, dass Festivalbesuche für viele Menschen zur kostspieligen Angelegenheit werden – bis hin zum Wochenurlaub mit Tinyhouse und VIP-Zugang. Gleichzeitig entstehen an anderen Stellen Formate, die gezielt auf soziale Öffnung setzen – vier davon verdienen besondere Aufmerksamkeit:
🔹 Social Tickets wie beim SUMMER BREEZE (Silverdust GmbH) 🎫: Dort werden 100 kostenfreie Tickets vergeben – ein superwichtiges Signal, aber bei mehreren Zehntausend Gästen zahlenmäßig begrenzt. Bewerbungsverfahren können zudem Hürden schaffen: Wer nicht gut Deutsch schreibt, seine Situation nicht formulieren kann oder sich dafür schämt, bleibt womöglich außen vor.
🔹 Solidaritätsmodelle wie beim HELLSEATIC Festival in Bremen 🤝: Wer kann, zahlt freiwillig mehr – und finanziert so reduzierte Tickets für andere. Ein direkter Ausgleich innerhalb der Festival-Community.
🔹 Umsonst-und-Draußen-Festivals wie das RAGE AGAINST RACISM in Duisburg🎶: Sie ermöglichen freien Zugang für alle – getragen von Spenden, Ehrenamt und viel Idealismus. Doch ohne strukturelle Förderung bleibt die Finanzierung fragil, Planungssicherheit ist schwer herzustellen.
🔹 Sleepover-Pässe wie beim DESERTFEST Berlin 🛌: Für 15 Euro übernachtet man in der Konzerthalle auf dem Boden. Ein einfacher, aber effektiver Weg, um die häufig unterschätzten Übernachtungskosten niedrig zu halten – und damit ganz praktisch Teilhabe zu ermöglichen.
🎯 Fazit: Diese unterschiedlichen Modelle tragen zur sozialen Öffnung bei, sind aber keine systemischen Lösungen. Sie zeigen vor allem eins: Die Frage nach kultureller Teilhabe ist längst in der Mitte der Festivalrealität angekommen – verdient aber mehr politische, organisatorische und finanzielle Aufmerksamkeit.
Bilder/Fotocredits: Screenshots von den Instagram-Accounts der genannten Festivals.


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