Was wird hier eigentlich ausgezeichnet? 🎶🏆
Zum Jahreswechsel richten sich turnusmäßig viele Blicke auf Festival-Awards und Rankings. Sie gelten als Gradmesser für Qualität, Relevanz und Erfolg – unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Logik und Aussagekraft.
In diesem Jahr war ich Jurymitglied beim HELGA! Award (Höme), in der Kategorie „grünste Wiese“ (Nachhaltigkeit 🌱). Ähnlich sind internationale Formate wie die European Festival Awards, deren Entscheidungen auf europäischer Ebene aktuell noch ausstehen.
Daneben existieren publikumsbasierte Rankings, etwa die Community-Top-3 vom Merch-Versand Impericon (voxa), 2025 angeführt vom Summer Breeze Open Air (Silverdust GmbH). Bemerkenswert finde ich dabei: Das Impericon Festival selbst landet nicht unter den Top 3. Das spricht ausdrücklich für die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Wahl 👏 – und gegen jede Form von Selbstinszenierung. Eine Community-Abstimmung, die den eigenen Akteur nicht bevorzugt, ist alles andere als selbstverständlich.
Diese unterschiedlichen Formate führen zu zwei zentralen Fragen:
🔎 Was sagen Awards über den Zustand der Festivalbranche?
🔎 Und was wird jeweils tatsächlich ausgezeichnet?
Aus wissenschaftlicher Perspektive – und auch aus Jury-Erfahrung – lassen sich mindestens zwei Logiken unterscheiden:
1️⃣ Jury-Awards: Sie basieren auf definierten Kriterien, Bewertungsrastern und normativen Zielsetzungen. Ausgezeichnet werden nicht primär Reichweite oder Popularität, sondern Konzepte, Prozesse und strategische Entwicklungen (z. B. Nachhaltigkeit, Awareness, Organisationsqualität). Solche Preise wirken strukturierend nach innen und fördern Professionalisierung.
2️⃣ Publikums-Awards: Sie messen Beziehung, Identifikation und Loyalität ❤️. Im Mittelpunkt stehen Vertrauen, Wiedererkennung und Community-Bindung. Dass dabei Festivals fehlen können, die medial stark präsent sind – etwa das Wacken Open Air, das vor allem in Deutschland einen außergewöhnlich hohen medialen Stellenwert besitzt und zugleich für eine besonders stabile und loyale Fanbasis steht – verweist auf unterschiedliche Ebenen von Erfolg. Medienpräsenz, Fan-Treue und Voting-Verhalten sind nicht deckungsgleich.
Beide Award-Typen haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist jedoch, was sie messen – und wofür sie stehen.
💬 Meine Fragen an Euch:👉 Welche Aussagekraft haben für Euch Jury- versus Publikums-Awards? 👉 Und welche Kriterien sollten Festivals heute erfüllen, um als exzellent zu gelten?
Ich freue mich auf die Diskussion.


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