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☠️ Festivals sterben nicht an Krisen, sie scheitern an fehlender Struktur! ☠️

Das viel zitierte Festivalsterben wird gerne mit äußeren Faktoren erklärt: steigende Kosten, unsichere Märkte, volatile Sponsoringlagen, komplexe Genehmigungsprozesse.

✏️ Ein aktuelles Beispiel ist das angekündigte Aus des Castle Rock Festival in Mülheim an der Ruhr. Laut WAZ, Sonic Seducer Magazin u.a. soll das traditionsreiche Format nach 26 Jahren eingestellt werden – unter anderem wegen fehlender Nachfolge, steigender Kosten und der Einschätzung, dass weder Stadtmarketing noch externe Agenturen die Veranstaltung in vergleichbarer Qualität übernehmen könnten.

🤔 Doch wenn ein Festival mit dem Renteneintritt einer einzelnen Person endet, sprechen wir nicht über Marktversagen. Wir sprechen über Strukturversagen.

🎓 Für mich als Festivalprofessor ist das ein interessantes Lehrstück, warum professionelles Festivalmanagement kein Luxus ist, sondern Voraussetzung für kulturelle Resilienz.

Ich mache folgende Beobachtungen:

1️⃣ Personalisierte Organisation statt institutionalisierter Struktur: Ein Festival darf nicht an einer Schlüsselperson hängen. Ohne systematische Nachfolgeplanung entsteht ein massiver Key-Person-Risk.

2️⃣ Fehlendes Wissensmanagement: 26 Jahre Netzwerk, Behördenkontakte, Qualitätsstandards – offenbar nicht so dokumentiert, dass sie übertragbar sind. Implizites Wissen ist wertvoll. Aber ohne Institutionalisierung wird es zum Risiko.

3️⃣ Unterschätzte Governance-Optionen: Agenturmodelle, Public-Private-Partnerships, Betreiberstrukturen oder Beiräte sind steuerbar. Qualitätssicherung ist keine Frage des guten Willens, sondern der Managementarchitektur.

4️⃣ Keine Community- oder Hybridmodelle? Gerade Nischenformate leben von Szene-Bindung. Vereinsstrukturen, Fördermodelle oder temporäre Skalierung wären zumindest prüfenswerte Resilienzstrategien.

5️⃣ Kosten als alleinige Erklärung greifen zu kurz: Steigende Kosten betreffen nahezu alle Festivals. Entscheidend ist nicht, ob Krisen existieren – sondern wie professionell darauf reagiert wird.

6️⃣ Das eigentliche Problem: fehlendes Management. Nachfolgeplanung, Risikomanagement, Governance, Prozessdokumentation – das sind keine administrativen Nebensächlichkeiten. Das ist professionelles Festivalmanagement. Und genau hier entscheidet sich, ob Formate resilient sind. Denn: Festivalmanagement ist mehr als Booking und Leidenschaft.

💡 Fazit: Krisen sind real. Aber Strukturen sind gestaltbar.

Das Foto zeigt eine Kunstaktion auf dem DONG Open Air 2025: Stelengräber mit gestorbenen Festivals als Inschriften. (eigenes Foto)

Published inKommunikation und MarketingÖkonomie und Management

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