Vor ein paar Tagen konnte ich vorab die neue Folge âVollmetallkreuz â Mörderische Metal-Kreuzfahrtâ hören (ab morgen in ARD Sounds und regulĂ€r am 19.04., 19 Uhr, bei NDR Kultur).
Was zunĂ€chst wie eine schrĂ€ge Idee klingt, ist bei genauerem Hinsehen ein ziemlich prĂ€ziser Indikator fĂŒr eine Entwicklung, die wir aktuell auch wissenschaftlich beobachten:
đą Festivalkreuzfahrten sind im Mainstream angekommen.
Denn Popkultur greift selten Formate auf, die noch in der Nische stecken.
Dass ein öffentlich-rechtliches Format dieses Setting wĂ€hlt â und dabei die Metal-Community erstaunlich differenziert darstellt â, zeigt:
Hier hat sich ein eigenstĂ€ndiger Erlebnisraum etabliert. Und dieser Raum ist spannend. đĄ
Festivalkreuzfahrten verdichten vieles, was wir aus der Festivalforschung kennen:
â Sie sind hochgradig inszenierte Erlebniswelten (Experience Economy in Reinform)
â Sie schaffen temporĂ€re Communities auf engstem Raum
â Und sie funktionieren als besonders intensive Form von Eskapismus
Gleichzeitig bringen sie strukturelle Spannungen mit sich, die im klassischen Festival so nicht auftreten: Zwischen Crew und GÀsten, zwischen Erlebnis und ArbeitsrealitÀt, zwischen Freiheit und klar reguliertem Raum.
âĄïž Genau diese Ambivalenzen blitzen auch im Hörspiel immer wieder auf â eher beilĂ€ufig, aber durchaus treffsicher.
FĂŒr mich ist das ein gutes Beispiel dafĂŒr, wie sich ein Format kulturell âverfestigtâ:
Erst wĂ€chst ein Markt. Dann entstehen Routinen. Und irgendwann wird das Ganze erzĂ€hlbar â auch im Krimi.
đ Wir beschĂ€ftigen uns an der IST-Hochschule fĂŒr Management aktuell in einer eigenen Studie und einem geplanten Fachbuch (beides gerade in Druckvorbereitung) intensiver mit genau diesem PhĂ€nomen.
Meine zentrale Beobachtung dabei: Festivalkreuzfahrten erweitern nicht nur das Format â sie erweitern die Zielgruppe.
Sie bringen zwei bislang weitgehend getrennte Welten zusammen:
đ klassische Festivalbesuchende
đ und die Zielgruppe von Kreuzfahrten
Das ist strategisch hoch relevant. Denn damit entstehen neue Anschlussmöglichkeiten:
â fĂŒr Menschen, denen das klassische Festival zu rau, zu unkomfortabel oder zu kurz ist
â fĂŒr Zielgruppen mit höherer Zahlungsbereitschaft und anderen Erwartungshaltungen
â und fĂŒr bestehende Festivalfans, die ihre Saison bewusst âverlĂ€ngernâ oder ihr Erlebnis intensivieren wollen
Oder anders formuliert: Die Festivalkreuzfahrt ist kein Ersatz fĂŒr das Festival â sondern ein BrĂŒckenformat zwischen Event und Tourismus.
đ Und genau darin liegt ihr Potenzial: neue MĂ€rkte erschlieĂen, ohne die eigene Kern-DNA aufzugeben.
đŹ Die spannende Frage ist daher aus meiner Sicht: Wie weit lassen sich Festivalformate kĂŒnftig in andere Erlebniswelten hinein verlĂ€ngern?
Bildrechte: EPK/Pressedienst NDR


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