Was erstmal nach einer klassischen Nischenstory klingt, ist bei genauerem Hinsehen hochinteressant für die Festival- und Eventbranche.
Die Dokumentation EHRENAMT über das Metal Diver Festival ist in der ARD Mediathek verfügbar – und zeigt ziemlich eindrücklich, wie stark Festivals im ländlichen Raum von ehrenamtlichen Strukturen getragen werden. 🎪
Gerade in der Metal- und Alternativszene übernehmen Vereine häufig Aufgaben, die andernorts kommerzielle Veranstaltungsunternehmen erfüllen würden: Sie organisieren Festivals, schaffen kulturelle Infrastruktur, vernetzen Szenen und sichern Kontinuität – oft über viele Jahre hinweg. 🤝
Aus der Forschung wissen wir (Literaturhinweise unten): Solche Vereine fungieren oftmals als Institutionalisierungsinstanzen. Sie überführen lose Netzwerke in stabile organisatorische Strukturen und machen regelmäßige Veranstaltungsangebote überhaupt erst möglich.
Spannend wird es, wenn man das mit einem anderen Feld vergleicht, das wir aktuell an der IST-Hochschule für Management untersuchen: dem Einsatz von Volunteers bei kommerziellen Events. 📊
Denn unsere Daten zeigen deutliche Unterschiede: Während vereinsgetragenes Ehrenamt häufig langfristig, gemeinschaftsorientiert und regional verankert funktioniert, folgt Volunteering bei kommerziellen Veranstaltungen meist anderen Logiken:
- organisatorische Entlastung
- personelle Flexibilität
- strategische Einbindung ins Besuchererlebnis
- teilweise auch wirtschaftliche Aspekte
Je nach Veranstaltungsgröße verschieben sich diese Motivlagen sogar deutlich.
Und genau deshalb ist eine Differenzierung wichtig:
- Ehrenamt strukturiert Räume und Szenen. 🤘
- Volunteering strukturiert Abläufe und Produktionen. ⚙️
Beides wird oft unter „freiwilligem Engagement“ oder „Ehrenamt“ zusammengefasst – erfüllt aber sehr unterschiedliche Funktionen.
Genau darin liegt aus meiner Sicht ein spannender blinder Fleck der Branche: Wir diskutieren Engagement häufig normativ („ohne Ehrenamt geht es nicht“) – aber zu selten analytisch. 🔍
Gerade die Pandemie hat gezeigt, wie unterschiedlich diese Systeme reagieren: zwischen sozialer Resilienz, ökonomischem Druck und organisatorischer Fragilität.
Und vielleicht ist genau das das Spannende an solchen Dokumentationen: Sie erzählen eben nicht nur etwas über Metal-Festivals 🤘, sondern darüber, wie Kultur im ländlichen Raum überhaupt organisiert, getragen und langfristig stabilisiert wird.
Denn: Viele Festivals entstehen nicht trotz dieser Strukturen – sondern genau wegen ihnen.
📸 Foto: MJB. Fans im Gespräch mit Dokumentarfilm-Regisseur Daniel Hofmann.
- Matthias Johannes Bauer, Tom Naber (Hrsg.). Menschen, Marken, Moshpits. Wirtschaftliche und kommunikative Aspekte von Open-Air-Veranstaltungen am Beispiel von Metal-Festivals in Deutschland, München 2025 (kaufen: utzverlag – Open Access Download: EconStor)
- Petra Kunzendorf: Organisationskultur in Vereinen – am Beispiel des Skull Crusher Heavy Metal Vereins Dresden e.V., München 2007 (Link zum Verlag)


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